Ladesäulen eichrechtskonform mit SAM

Die Hintergründe zur Entwicklung des Speicher- und Anzeigenmoduls SAM. Interview mit Ingo Stahl.

Ladestationen für Elektroautos sind am Boomen. Zehntausende stehen bereits in ganz Deutschland verteilt, Tendenz steigend. So überrascht es nicht, dass Anfang 2019 eine verlässliche Lösung für die Erfassung und Abrechnung des Ladevorgangs notwendig wurde. Stichwort „Eichrechtskonformität“. EBG compleo hat eine passende Hardware-Lösung entwickelt: das SAM. Wir blicken zurück auf die Hintergründe zur Entwicklung und sprachen mit dem Leiter der Entwicklung, Ingo Stahl.

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Mit dem zertifizierten Speicher- und Anzeigemodul, kurz SAM, hat Compleo eine einfache Lösung entwickelt, die den Ladesäulen-Betreiber schnell befähigt, das Eichrecht umzusetzen — ganz ohne zusätzliche Einschränkungen durch Software oder irgendwelche monatlichen Kosten.

„Als wir das Eichrecht endlich erfüllt hatten und ich anschließend sehen konnte, was wir damit geschafft haben, dass die Produktion läuft und der Marktanklang gut ist, erfüllte mich das mit Stolz“, freut sich Ingo Stahl, Teamleiter der Elektrotechnikentwicklung bei EBG compleo.

Heute befindet sich das SAM schon an vielen Stellen im Einsatz: von den Automobilherstellern, die ihre Mitarbeiterparkplätze ausrüsten, über Energieversorger wie E.ON bis hin zu den lokalen Stadtwerken beispielsweise in Bochum. Doch bis dahin war es ein weiter Weg.

Lange Entwicklungsarbeit wird belohnt

Zweieinhalb Jahre dauerte es das SAM zu entwickeln. Weil die bis dahin einzige eichrechtskonforme Lösung am Markt aus Sicht von Compleo nicht optimal war, entwickelten Ingo Stahl und sein Team eine Hardware-Lösung für Ladestationen, die in der Praxis zu überzeugen weiß.

Allen voran begeistert das SAM mit seiner lokalen Lösung: Sobald die Ladestationen mit dem Speicher- und Anzeigemodul ausgestattet sind, können Betreiber das Thema Eichrecht entspannt abhaken. Das Bereitstellen eines zusätzlichen Backends durch den Betreiber sowie der damit einhergehende Lock-in-Effekt durch den Anbieter entfallen. Ebenfalls überflüssig sind mit dem SAM eine Transparenzsoftware für Endkunden sowie ein Abrechnungsdienstleister. Dadurch entsteht mit der SAM-Lösung maximale Flexibilität.

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Das SAM von Compleo: Einmal verbaut, erfüllen die Ladestationen das Eichrecht zuverlässig und sicher.

Vom Ende her denken: Vertrauen schaffen

Die Mitbewerber arbeiten vor allem mit Software-Lösungen. Compleo hingegen hat sich bewusst für eine Hardware-Variante entschieden, um eine lokale und abgeschlossene Lösung anbieten zu können. „Das lokale Konzept bedingt, dass ich alles innerhalb der Ladestation löse, wodurch nichtreproduzierbare Messungen gespeichert werden können. Das wiederum ist für eine eichrechtskonforme Realisierung notwendig“, erklärt Stahl. Aus seiner Sicht sei das die sinnvollste Lösung, „um nicht irgendwelche Server aufstellen zu müssen oder sich darüber Gedanken zu machen, wo es gespeichert wird und welche Beteiligten es am Geschäftsvorgang gibt. Daher war die lokale Umsetzung für uns am naheliegendsten“. Und statt Betreiber zu binden, werden diese mit dem SAM dazu befähigt, das Eichrecht schlank und nachhaltig zu realisieren.

Als Ergebnis dessen entsteht Vertrauen und der Ladevorgang wird bei den Verbrauchern selbstverständlich, „so wie ich früher beim Tanken auch nie darauf geachtet hatte, ob es dort ein Eichsiegel gibt“, ergänzt Stahl. In Deutschland kann man sich darauf verlassen, beim Einkaufen das zu bekommen, wofür man bezahlt hat. „Oder haben Sie schon mal daran gezweifelt, ob die Waage im Supermarkt auch wahrheitsgetreu wiegt?“, fragt Stahl schmunzelnd. Kurzum: Durch das Eichrecht können sich Autofahrer sicher sein, nur für den Strom zu bezahlen, den sie auch bezogen haben.

Von der Idee zur Realisierung: Ein Blick zurück

Die eichrechtskonformen Anforderungen der Ladestationen sind der Physikalisch-technischen Bundesanstalt (PTB) zu verdanken, die auch den Bereich Elektromobilität betreut. Damals wunderte sich die PTB darüber, dass erste deutsche Automobilhersteller Elektroautos ankündigten, aber offensichtlich noch nie etwas vom Eichrecht gehört hatten. Das fehlende Kassenhäuschen stellte den Knackpunkt verglichen mit den bestehenden Kraftstofftankstellen dar.

Und hier kommt Compleo ins Spiel. „Im Kopf hatten wir damals bereits das Konzept für unsere SAM-Lösung“, erinnert sich Stahl, „und dann schauten wir, welche Lösungen es bereits am Markt gab und welche Konzepte darüber hinaus existierten.“ Auf diese Weise fand Compleo schnell heraus, wie man das präferierte Konzept am besten umsetzen kann.

Die Geburtsstunde vom SAM

Ein Mitarbeiter von Stahl sagte eines Tages: „Was müssen wir eigentlich lösen? Wir müssen speichern und anzeigen können. Wir brauchen also einen Speicher und ein Display.“ So wurde aus dem Speicher- und Anzeigemodul, wie der interne Projektname zunächst lautete, das SAM.

Herausfordernd waren vor allem das Eichrecht zu verstehen und die vielen Behördengänge. „Technisch stellte die elektromagnetische Verträglichkeit, kurz EMV, die größte Herausforderung dar“, erinnert sich Stahl. „Für Zusatzgeräte eines Zählers gibt es keine Produktnorm, wodurch wir das SAM genauso wie die Stromzähler im Keller nach der Zählernorm zertifiziert haben.“ Diese Norm enthält EMV-Anforderungen, die dreimal höher sind als bei normalen Ladesäulen. „Selbst Medizingeräte haben keine so hohen Anforderungen wie die Zählernorm bei der Einstrahlung.“ Das sorgte für einen entwicklungstechnischen Aufwand, bei dem mehrere Male geschliffen, gemessen und korrigiert werden musste. „Rückblickend sind mein Team und ich stolz darauf, den straffen Zeitplan eingehalten zu haben“, freut sich Stahl.

Impressionen aus der SAM Produktion.
Impressionen aus der SAM Produktion.

Die großen Meilensteine: die Zertifizierungen

Stahl und sein Team sind froh, als die hauseigene Hardware-Lösung endlich steht. „Der Moment, in dem die großen Meilensteine erreicht sind — vor allem die Zertifizierung des SAMs selbst und die Zertifizierung des ersten und zweiten Standorts bei der PTB –, erfüllt mich natürlich mit Stolz“. Auch die Rückmeldungen anderer Produktionsmitarbeiter bis hin zum Geschäftsführer waren durchweg positiv.

Auf diesen Meilensteinen ruht sich Compleo nicht aus. Schwerpunkt der aktuellen Entwicklung stellt die zweite Variante des SAMs dar. Auf Empfehlung der Zulassungsbehörden hat Compleo das SAM zunächst einmal für AC-Ladestationen umgesetzt. „Als nächstes folgen die DC-Ladestationen“, verrät Stahl. „Es geht also nahtlos weiter.“

Ein Meilenstein ist gerade in Arbeit: die Entwicklung eines zertifizierten DC-Stromzählers. „Es fängt gerade erst damit an, dass es geeignete DC-Zähler am Markt gibt“, erklärt Stahl. Gemeinsam mit einem Partner entwickelt Compleo hier eine geeignete Lösung. Sobald der Zähler fertig ist, wartet die nächste große Hürde auf Stahl und sein Team: die Zertifizierung des Zählers sowie der Ladesäule mit dem SAM und dem DC-Zähler.

Doch damit nicht genug: Neben den DC-Ladestationen arbeitet Compleo bereits an neuen Themen hinsichtlich des Eichrechts, darunter beispielsweise die Abrechnung mit Bankkarten und punktuelles Laden, wo Stahl und sein Team in der Entwicklung ganz vorne mit dabei sind. „Der Vorsprung, den wir uns bei SAM erarbeitet haben, möchten wir natürlich behalten“, erklärt der Teamleiter selbstbewusst. Und bis dahin bleibt das SAM die derzeit einfachste Lösung mit dem geringsten Aufwand am Markt.

Über Compleo

Mit hochwertigen Ladestationen und umfassendem Know-how befähigt Compleo seine Kunden zur Elektromobilität. Große Unternehmen, Betreiber und Energieversorger setzen europaweit auf die AC- und DC-Ladesäulen sowie Wallboxen von Compleo. 2009 gegründet, arbeiten mittlerweile über 130 Mitarbeiter für das Compleo-Team in Dortmund. 

Compleo
Oberste-Wilms-Straße 15a
44309 Dortmund
Deutschland